Palliative Care und Begleitung


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Palliative Care und Begleitung

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Eine Geschichte mit Zukunft

Palliative Care der Aargauer Landeskirchen

Palliative Care und Begleitung ist Auftrag und zentrales Anliegen der Aargauer Landeskirchen. Dieses verantworten sie seit Anfang 2016 gemeinsam. Insbesondere begleiten sie Kranke und Sterbende durch Seelsorgende und qualifizierte Freiwillige, wozu sie Freiwillige und Fachpersonen in Palliative Care und Sterbebegleitung ausbilden. Dieses Engagement mit Zukunft hat eine lange Geschichte.


Achtung vor dem Einzelnen
Entwicklung des Seelsorgeverständnisses und des Auftrags

Die Ursprünge der Sorge um die Schwachen, Kranken und Sterbenden ist tief in der christlichen Glaubenstradition verwurzelt. Jesus selbst wandte sich immer wieder den Ärmsten und Bedürftigen zu. Seine Worte in Matthäus 25, 35.36.40 begründeten Seelsorge und Diakonie in der christlichen Gemeinschaft: «Ich war hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen... Was ihr für eine meiner geringsten Schwestern oder einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.» Bezogen auf die Kranken und Sterbenden entwickelte sich aus dieser biblischen Grundlage bereits sehr früh eine christliche Krankenpflege, die sich sowohl für das leibliche wie auch für das seelische Wohl der Kranken kümmerte. Die Krankenpflege wurde in den Klöstern des Mittelalters vertieft ausgebildet. Sie war ganzheitliche christliche Betreuung, ausgehend von der Seelsorge, die medizinisches, pflegerisches und pharmazeutisches Wissen förderte und bei der Betreuung von Kranken einbezog. Die Solidarität mit den Kranken wurde Ausdruck gelebten Glaubens.

Zum christlichen Seelsorgeverständnis gehört seit der Alten Kirche die Seelensorge (cura animarum). Bereits Origenes, Johannes Chrysostomos und Hieronymus wandten sich in Briefen und Schriftauslegungen an Trauernde, Bedrückte und Suizidgefährdete. Der Seelsorger wurde als Seelenarzt bezeichnet (psychon iatros). Durch Gespräche, Meditation, Fürbitte und biblischen Zuspruch wurde die Heilung der Seele unterstützt. Gregor von Nazianz beschrieb die diagnostisch differenzierte Wahrnehmung der seelsorglichen Aufgabe, nämlich die Seelenleitung als Kunst der Künste, die auf die unterschiedlichen geistlichen, seelischen und leiblichen Notlagen auszurichten ist. Augustinus prägte die Seelsorge, indem er die Selbstreflexion und Introspektion der Glaubenden als wichtigen Schritt für die Förderung der seelischen Heilung erachtete und in seiner Biografie mit dem eigenen Beispiel voranging.

Im Mittelalter entwickelte sich die Seelsorge vor allem innerhalb der Klöster und getragen von Orden weiter. Gregor der Grosse prägte das Bild des Seelsorgers als das eines Hirten, der Verantwortung übernimmt und als gutes Beispiel vorangeht durch ständige Selbstprüfung und einen selbstkritischen Umgang mit Macht.

Im Mittelalter wurde die Pflichtbeichte institutionalisiert, im Jahr 1215 wurde sie kanonisiert, was für Jahrhunderte prägend war. Somit bildeten Busse und Beichte die Grundform der Seelsorge. Aber auch Verinnerlichung als Weg der Seelsorge wurde im Mittelalter von Mystikerinnen und Mystikern gelehrt, so z.B. von Bernhard von Clairvaux, Hildegard von Bingen, Meister Eckhart und Thomas von Kempen. Auch vom Beichtvater, der als erfahrener Seelenarzt beschrieben wurde, wurde erwartet, dass er Einsichtsfähigkeit und Selbstbeobachtung fördert. Dies trat überall dort in den Hintergrund, wo die Bussleistungen, d.h. die Wiedergutmachung mit Werken im Vordergrund standen, was Martin Luther (1483–1546) zur Veröffentlichung der 95 Thesen gegen den Ablasshandel bewegte.

Mit Luther begann in der Reformation ein modernes Verständnis von Seelsorge. Er betonte Gottes Gabe und Gottes Gnade, welche ein getröstetes Gewissen zur Folge hatte. Huldrych Zwingli (1484–1531) sagte, dass Seelsorge in allem Wirken, Reden und Handeln geschieht, das am Evangelium seinen Ansporn nimmt – oder sie geschieht überhaupt nicht. Martin Bucer (1491–1551) verband Seelsorge mit Seele und Leib, Organisation und Innerlichkeit und Johannes Calvin (1509–1564) setzte den Grundstein der Achtung vor dem Einzelnen als wesentliches Stück seelsorgerlicher Klugheit. Seelsorge hatte Trost und Glaubensgewissheit zum Ziel, geschah ganzheitlich, indem sie den Leib ebenso wie die Seele einschloss und sie führte zu innerer Vertiefung der Erkenntnis und des Glaubens, einem Glauben, der jeden Menschen achtet und würdigt.
Aus diesen Schwerpunkten entwickelte sich die evangelische Seelsorge, welche das Gespräch mit den Einzelnen und ihren Angehörigen betonte und weniger die Sakramente der Beichte und der Eucharistie in den Mittelpunkt stellte. Im Pietismus dann fand die Seelsorge als teilnehmende Liebe einen festen Platz in den Aufgaben der Kirche. Es war der reformierte Pfarrer Oskar Pfister (1873–1956), welcher mit Sigmund Freud (1856–1939) befreundet und der Begründer der analytischen Seelsorge war, der psychoanalytische Erkenntnisse in die evangelische Seelsorge einfliessen liess. Eduard Thurneysen (1888–1974) schliesslich prägte anfangs des 20. Jahrhunderts die Seelsorge als Gespräch, in welchem das Zuhören und Eingehen auf Fragen und Anliegen der Seelsorgeempfänger/innen im Zentrum steht.


Theologie der Erfahrung
Entwicklung der Seelsorgeausbildung durch die reformierten Kirchen

In den USA begann 1925 die erste klinische Seelsorgeausbildung, geleitet durch den evangelischen Pfarrer Anton T. Boisen (1876–1965). Er war es auch, welcher die «clinical pastoral education» (CPE), eine professionalisierte, klinische Seelsorgeausbildung für Pfarrerinnen und Pfarrer in Gemeinden, Psychiatrie, Krankenhaus und Gefängnis einführte. Diese professionalisierte Seelsorge erreichte in Europa zuerst Holland und kam von dort aus nach Deutschland und in die Schweiz.

In der Schweiz war die reformierte Theologin Dorothee Hoch (1917–1996) die erste, welche nach 1960 klinische Seelsorgekurse leitete. Sie beschrieb ihren Weg vom Pietismus hin zu Jung und Freud im Buch: «Von Karl Barth zu einer Theologie der Erfahrung.»

Ab 1969 begann der reformierte Pfarrer Hans van der Geest (geb.1933) in der Schweiz Clinical-Pastoral-Trainings (CPT) anzubieten. 1973 fand das erste sechswöchige CPT statt. Von 1960 bis 1984 bestand die Kursleitung der CPT-Ausbildung ausschliesslich aus reformierten CPT Supervisorinnen und Supervisoren. Neben Dorothee Hoch und Hans van der Geest war ab 1982 die reformierte Pfarrerin Kati Hübner die erste anerkannte Supervisorin, gefolgt vom reformierten Pfarrer Klaus Völlmin. In 1984, 1994, 2003 und 2006 ergänzten insgesamt vier kath. Supervisoren das CPT-Kursleitungsteam, was bis 2007 knapp einen Viertel des Teams ausmachte, während Kurse bis zu einem Drittel von katholischen Teilnehmenden besucht wurden.

Die Finanzierung geschah von 1960 bis 1979 in den Anfängen der klinischen Seelsorgeausbildung vom Kirchenrat der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Von 1980 bis 2014 übernahm dann die deutschschweizerische Kirchenkonferenz (KIKO) der evangelisch-reformierten Landeskirchen die finanzielle Unterstützung der Seelsorgeausbildung mit jährlich Fr. 78'000.–. Diese Gelder wurden von 1980 bis 2007 von der Seelsorge-Ausbildungs-Kommission (SAK) verwaltet. Ab dem 30. Juni 2008 bis 18. März 2014 geschah der Wechsel dieser Kommission zur neuen Kommission der Aus- und Weiterbildung Seelsorge (aws) und ab dem 18.3.2014 wurde ein Kooperationsvertrag zwischen der Universität Bern UniBE und den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn REFBEJUSO unterzeichnet. Die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn übernahmen die Verantwortung für die kirchliche Aus- und Weiterbildung Seelsorge von der deutschschweizerischen Kirchenkonferenz. Es entstand die Aus- und Weiterbildung Seelsorge (AWS), die an der theologischen Fakultät der Universität Bern UniBE eingegliedert wurde.

Ebenfalls 2014 wurde ein Vertrag mit der Theologischen Hochschule Chur, THC, unterschrieben, der eine Zusammenarbeit betreffend der CPT-Seelsorgeausbildung der UniBE und THC vorsieht.

Während die reformierte Seite seit 1980 ca. Fr. 78'000.– an die Finanzierung der Seelsorgeausbildungen zahlt, beteiligt sich die römisch-katholische Seite seit 2007 durch kleinere Beiträge an den Ausbildungskosten, nämlich Fr. 2000.– in 2007 und 2008, Fr. 15'000.– in 2009 und 2010 und ab 2011 mit Fr. 25'000.–. Die CPT Kurse wurden ab 2007 bewusst geöffnet für katholische Seelsorgende, die bereits vorher in diesen Kursen willkommen waren.


Teil des Seelsorgeverständnisses
Engagement der Freiwilligen im Aargau

Einsätze von Freiwilligen für die Besuche von Bedürftigen, Schwerkranken und Sterbenden ist seit dem reformatorisch geprägten Seelsorgeverständnis Aufgabe jeder reformierten Kirchgemeinde. Um dieses Engagement zu stärken, begann die klinische Seelsorgeausbildung der Schweiz (CPT) nach 1995 auch Kurse für Freiwillige für den Besuchsdienst von Bedürftigen, Schwerkranken und Sterbenden zu geben. Im Aargau wurde aber schon vorher mit dem Aufbau und der Weiterbildung von Freiwilligen und Sterbebegleitungsgruppen begonnen.

1978: Aufbau einer freiwilligen Gruppe für Sterbebegleitung im Kantonsspital Baden durch Pfarrer Klaus Völlmin und Priester Vincenz Felder

1979: Weiterbildungskurse für Freiwillige in der Sterbebegleitung am Kantonsspital Baden durch Pfarrer Klaus Völlmin und Priester Vinzenz Felder. Diese Kurse laufen unter veränderter Leitung bis heute unter dem Namen «Dasein bis zuletzt» weiter!

1980: Aufbau der Freiwilligengruppe «Ersatz für Angehörige» (EfA) im Kantonsspital Aarau für Sitzwachen und Sterbebegleitung durch Pfarrer Hans-Ulrich Simmen. Weiterbildung und Begleitung der Freiwilligen durch den reformierten Spitalpfarrer des Kantonspitals Aarau in ökumenischer Zusammenarbeit

2009: Kantonale Weiterbildung für Freiwillige in Sterbebegleitung durch die Reformierte Landeskirche Aargau; Konzept, Aufbau und Leitung durch Pfarrerin Karin Tschanz.


Reformierte federführend
Palliative Care im Aargau

Die reformierte Pfarrerin Karin Tschanz hat das Thema Palliative Care wiederholt auf die Agenda der Reformierten Landeskirche Aargau gesetzt durch öffentliche Themenabende und ihm so den Weg geebnet:
2006: Seelsorgetagung «Seelsorge wohin?»
2007: Seelsorgetagung «Wert und Würde des Menschen?»
2007: Seelsorgetagung «Begleitet – getröstet – gesegnet?»
2008: Film: Reformierte Seelsorge angesichts von Sterben, Tod und Trauer
2009: Themenabend «Sterben – wie geht das?»

Ihre Vorgängerin war Martina Holder-Franz, damals Pfarrerin in Muhen, die sich während ihrer langen Weiterbildung intensiv mit Cicely Saunders, der Palliative Care-Pionierin aus England, auseinandergesetzt hatte, und darüber eine wegweisende Arbeit abgegeben hatte. 2008 fand der Kongress «Ganz Mensch bis zum Tod» statt und im September desselben Jahres die gleichnamige Gesprächssynode der Reformierten Landeskirche. Letztere brachte klar zum Ausdruck, dass die Präsenz der Kirche bei den Menschen am Lebensende den Verantwortlichen ein grosses Anliegen ist. Aus dieser Gesprächssynode ging 2009 der Auftrag der Synode der ref. Landeskirche Aargau hervor, eine Ausbildung für Freiwillige in Palliative Care und Begleitung zu konzipieren und einen Begleitdienst aufzubauen, der die Gemeinde- und Spezialpfarrer/innen bei der Begleitung von Sterbenden und ihren Angehörigen durch ihre Präsenz, psychosoziale Zuwendung und pflegerische Handreichungen unterstützen soll.

2010 bis 2012: Erste Pilotphase des Projekts Palliative Care und Begleitung
2010 startete die erste Ausbildung der Reformierten Landeskirche in Palliative Care. Das überwältigende Interesse – es meldeten sich 100 Teilnehmende an – brachte das Projekt personell und finanziell an seine Grenzen. So waren aber 2011 bereits ca. 80 Freiwillige bereit, Einsätze bei schwerkranken und sterbenden Menschen zu machen.

Ende 2010 wurde das Projekt in die Struktur und den Bereich Bildung und Gesellschaft/Diakonie der Landeskirchlichen Dienste integriert. Damit waren die drei Freiwilligen-Dienste «Palliative Care-Begleitdienst», «Besuchsdienst» und «Wegbegleitung» unter einem Dach.

Im Pilotprojekt Palliative Care und Begleitung wurden auf drei verschiedenen Niveaus Ausbildungslehrgänge für Freiwillige (ein Niveau wird gemeinsam mit dem Schweizerischen Roten Kreuz Aargau geführt) und Berufsleute gemäss den Richtlinien von palliative.ch durchgeführt.

Seit 1979: A1 resp. A2-Basiskurs für Freiwillige in Institutionen «Dasein bis zuletzt»
Seit 2010: A2 Basiskurs für Freiwillige
Seit 2010: A2 Basiskurs für Fachpersonen
Seit 2010: B1 Vertiefungskurs für Fachpersonen
Seit 2011: A1 für Freiwillige, der Lehrgang «Passage», der zusammen mit dem Schweizerischen Roten Kreuz Aargau durchgeführt wird, schweizweit der einzige Lehrgang «Passage», der mit vertraglicher Vereinbarung gemeinsam mit einer Kantonalkirche geleitet wird.
Seit 2012: A2 Basiskurs für Fachpersonen der Seelsorge zusammen mit Universität Bern
Seit 2015: Anerkennung der Lehrgänge A2 Fachpersonen und B1 Fachpersonen durch Careum Weiterbildung Aarau und Kalaidos Fachhochschule Zürich
Ab 2017: B2 Spezialisierte Palliative Care Lehrgang. Anerkennung und Zusammenarbeit wird beantragt mit Careum Weiterbildung Aargau und Kalaidos Fachhochschule Zürich

Beim Aufbau dieser Lehrgänge waren die Fachkenntnisse und die gute Vernetzung der Projektleiterin Pfrn. Dr. Karin Tschanz von grosser Bedeutung. Sie ist in der Reformierten Landeskirche Aargau Ausbildungsleiterin in Palliative und Spiritual Care, seit Ende 2012 Co-Vize Präsidentin von palliative ch und seit 2005 Kursleiterin und seit 2015 Studienleiterin in Systemischer Seelsorgeausbildung, SYSA, an der Universität Bern.

204 Personen wurden zwischen 2010 und 2012 in Palliative Care ausgebildet, davon waren 144 Freiwillige und 60 Fachpersonen der Pflege, Medizin, Seelsorge und Beratung. Der grösste Teil der Teilnehmenden kam aus dem Kanton Aargau. Dazu vermehrt Teilnehmende aus anderen Kantonen wie Bern, Basel-Landschaft, Luzern, Solothurn, Thurgau, Tessin, Zürich und Zug.

Vernetzung mit den Kirchgemeinden
Sowohl die interne Vernetzung mit den Kirchgemeinden als auch die regionale, kantonale und zum Teil nationale Vernetzung mit im Palliative Care-Bereich Tätigen wurden 2012 zu einem Schwerpunkt. Lokale oder regionale palliative Begleitdienste wurden aufgebaut. 102 Freiwillige waren damals im Begleitdienst aktiv, eingeteilt in 14 regionale und eine kantonale Gruppe. Sie haben in den Jahren 2011 und 2012 insgesamt 546 Personen in 7000 Stunden begleitet. 2013 wurden 244 Personen begleitet, 2923 Stunden fielen an. Ab 2012 entsprach der Kantonale Begleitdienst den Qualitätsstandards von palliative.ch, sein Konzept hatte Modellcharakter und wurde auf nationaler Ebene als ein Beispiel von Best Practice wahrgenommen.

2013 bis 2016: Zweite Pilotphase des Projektes Palliative Care und Begleitung
Wie von der Synode gefordert wurde ein Businessplan für die Weiterentwicklung zu einem Kompetenzzentrum «Palliative Care, Bildung und Begleitung» (KPC) erstellt. Die Abklärungen für die Herauslösung aus den Landeskirchlichen Diensten und Überführung in eine eigene Rechtsform wurden abgeschlossen, der Entwurf für ein Stiftungsstatut lag vor. Der Kirchenrat hatte sich dafür ausgesprochen, die allenfalls zu gründende Stiftung ökumenisch zu verankern. Der Kirchenrat der römisch-katholischen Kirche im Aargau hatte sich allerdings an der Sitzung vom 28. August 2013 gegen den vorliegenden Vorschlag ausgesprochen. Zwar sah er, «dass ein angepasster Ausbau der Palliative Care, der Begleitung und Unterstützung chronisch kranker und sterbender Menschen, wichtig ist und auch den Bedürfnissen der heutigen Zeit entspricht.» Dennoch wollte er die Form einer eigenständigen Stiftung sowie die Ausgestaltung des Angebotes nicht im vollen Umfang mittragen. Auch die Unterstützung von Seiten des Kantons liess auf sich warten. Es wäre unter diesen Voraussetzungen unverantwortlich gewesen, Palliative Care, Bildung und Begleitung aus den Landeskirchlichen Diensten herauszulösen und in eine eigene Rechtsform zu überführen.

Kooperationen
Wie von der Synode gewünscht wurden im Blick auf Aus- und Weiterbildung und Einsätze folgende Vereinbarungen getroffen: Die bewährte Zusammenarbeit beim A1-Passage-Kurs mit dem Schweizerischen Roten Kreuz Aargau ist seit 2011 vertraglich konsolidiert, seit 2013 in ökumenischer Zusammenarbeit. Mit dem Hospiz Aargau, der Onko-Spitex sowie der Hirslanden Klinik Aarau wurden Vereinbarungen bezüglich Einsätzen in der Begleitung unterzeichnet. Eine weitere Leistungsvereinbarung wurde mit palliative_aargau getroffen: Deren Geschäftsstelle wurde ab September 2013 bis Mai 2014 durch eine Mitarbeiterin der Reformierten Landeskirche geführt. Die Reformierte Landeskirche Aargau stellte zu diesem Zweck palliative aargau ihre Infrastruktur im Haus der Reformierten zur Verfügung.


Seit dem 1. Januar 2016: Ökumenische Trägerschaft
Palliative Care im Aargau heute

Die römisch-katholische Kirche im Aargau hat an der Juni-Synode 2015 zugestimmt, die Arbeit Palliative Care und Begleitung ab 2016 mitzutragen. Die Vereinbarung unter den drei Landeskirchen samt dem entsprechenden Statut konnten unterschrieben werden. Eine ökumenische Begleitkommission wirkt beratend, will wichtige Tendenzen und Erkenntnisse aus der Palliative Care Aus- und Weiterbildung thematisieren und weiterentwickeln sowie die Arbeit den sich wandelnden Gegebenheiten anpassen.

Die Vereinbarung schliesst die Einführungskurse Ausbildungsniveau A1, die Einführungskurse Ausbildungsniveau A1 und A2 «Dasein bis zuletzt» im Kantonsspital Baden und Wislikofen, die Basiskurse Ausbildungsniveau A2 für Freiwillige und Fachpersonen sowie den Begleitdienst von Freiwilligen innerhalb des Kantons Aargau ein.

Organisatorisch ist die Fachstelle Teil der Reformierten Landeskirche Aargau, im Bereich Gemeindedienste. Die Palliative Care-Rechnung wird innerhalb der Rechnung der Reformierten Landeskirche Aargau geführt.

Die Mitarbeiterschaft ist momentan (Stand 2016) stabil:
Gesamtverantwortung Palliative Care und Begleitung: Jürg Hochuli, 10 Stellenprozent
Verantwortung Aus- und Weiterbildung: Karin Tschanz, 50 Stellenprozent
Koordinationsstelle: Theres Oberson, 50 Stellenprozent
Einsatzzentrale Kantonaler Palliative Care-Begleitdienst: Claire Huwyler, 40 Stellenprozent (plus zwei Stellvertreterinnen)

Die Koordinationsstelle
  • ist die Anlaufstelle für Personen, die Begleitungen, Ausbildungen oder Informationen über Palliative Care-Dienste suchen
  • organisiert die Lehrgänge und führt die Kursadministration
  • ist das Sekretariat der Ausbildungsleitung zur Unterstützung der Grundlagen- und Aufbauarbeit im Rahmen der Qualitätssicherung sowie zur Organisation der kantonalen und nationalen Zusammenarbeit mit Kirchen und Palliative Care-Anbietern
  • ist verantwortlich für die Medienarbeit (im a+o, im Horizonte, im reformiert, in der AZ, im Journal palliative ch)
  • ist verantwortlich für die Informationen und Verteilung der Broschüren, Flyer, Veranstaltungshinweise an Fachpersonen, Spezial- und Gemeindeseelsorgende, Kirchenmitarbeitende, Freiwillige, u.a.m.

Die Kantonale Einsatzzentrale des Palliative Care-Begleitdienstes
  • vermittelt und begleitet die Einsätze, einerseits an die regionalen Begleitgruppen oder via die kantonale Begleitgruppe direkt
  • sichert durch Weiterbildung und Supervision die Nachhaltigkeit der Arbeit
  • vernetzt in Zusammenarbeit mit der Bereichsleitung die ausgebildeten Freiwilligen mit ihren Kirchgemeinden.

Feierliche Momente
Am dritten Kantonalen Alterskongress im Oktober 2015 wurde unter den 28 Eingaben und den zwölf daraus Nominierten der Kantonale Palliative Care-Begleitdienst mit dem 1. Preis des Silver Awards ausgezeichnet. Festgehalten wurde in der Laudatio: «Die Jury ist beeindruckt, wie viele Menschen – unabhängig ihres Alters – durch den kantonalen Palliative Care-Begleitdienst begleitet werden. Das Engagement der Reformierten Landeskirche zeigt beispielhaft, wie ein kantonsweites Angebot aufgebaut und etabliert werden kann. Dabei setzen die Verantwortlichen auf freiwilliges Engagement, eine durchdachte Struktur und auf die Vernetzung mit lokalen Fachpersonen.»

In der reformierten Stadtkirche Baden wurde am 26. April 2015 erstmals und am 24. April 2016 zum zweiten Mal ein ökumenischer Gottesdienst «Feier des Lebens» durchgeführt. Gemeinsam haben sich die Aargauer Landeskirchen und der Hospiz-Verein dafür eingesetzt, dass Leben und Sterben zusammengehören. Zur Feier fanden sich beide Male über hundert Personen ein.


Aarau, Oktober 2016
Jürg Hochuli, Bereichsleitung, Karin Tschanz, Ausbildungsleitung


Folgende Literatur wurde für den geschichtlichen Teil 1+2 berücksichtigt:
Morgenthaler, Christoph: Seelsorge. München, 2009.
Tschanz Cooke, Karin: Hoffnungsorientierte Systemische Seelsorge. Stuttgart, 2013.